Opernverein Zürich
im Rahmen der Festspiele Zürich 2018
‚Schönheit/Wahnsinn‘

I pazzi

per progetto

Wahnsinn mit Absicht

Ein Endspiel für sieben Opernsänger, fünf Instrumentalisten, einen Dirigenten und drei Schauspieler
nach der Farsa ‚I pazzi per progetto’ von Gaetano Donizetti und Domenico Gilardoni
Zum Opernprojekt 2018

I PAZZI PER PROGETTO – WAHNSINN MIT ABSICHT

Stimmen zur Aufführung

„paradigmatisch aussergewöhnliche und anspruchsvolle Erarbeitung einer Oper“

Ich habe zwei Aufführungen des Opernvereins Zürich besuchen können und war beeindruckt von ihrer Lebendigkeit und professionellen Frische; man spürt die Freude der jungen Leute, sich auf der Bühne heimisch zu machen und zu verwirklichen.
Allen Beteiligten gelingt auf erfreuliche Weise die Umsetzung der Hauptaspekte einer gelungenen Erarbeitung des heiklen Mediums ‚Oper’ wie Stimmen-Plastizität, musikalische Stringenz, sprachlich-idiomatische Flexibilität und darstellerisch-spielerische Beweglichkeit.
Freunde der statuarischen Italienischen Oper mit ihren gesangsbedingten stereotypen Armbewegungen kommen nicht auf ihre Kosten; hier ist alles musikalisch wie stimmlich fließend in Bewegungsabläufen integriert, genau geplant wie improvisatorisch geglückt.
Ein Sonderlob gebührt dem Dirigenten, den Instrumentalisten und Schauspielern, die auf ungewöhnliche Weise in das burleske Geschehen einbezogen sind und in sich sicher neue darstellerische Fähigkeiten entdeckt haben.
Es wäre zu wünschen, dass das Team der diesjährigen Präsentation des Opernvereins dem Verein wie der Zürcher Öffentlichkeit mit seiner paradigmatisch außergewöhnlichen und anspruchsvollen Erarbeitung einer Oper erhalten bleiben kann.

Roland Hermann – Opern- und Konzertsänger, Mitglied Opernhaus Zürich 1968 – 1999, Gesangsdozent, Mitglied des Patronatskomitees Opernverein Zürich

„an uniquely moving and confronting experience“

Central to their work is the connection with and trust in the connection with the centre of the body. This trust enabled us to confront aspects of madness in our musical and physical interpretations that pushed the boundaries of conventional operatic expression. The result was an experience for the audience that was uniquely moving and confronting; this is what true art is about.

Helen Sherman – Opern- und Konzertsängerin, ‚Cristina’ in ‚I pazzi per progetto’

„eine intelligente und sensible Dekonstruktion der Oper“

Es handelt sich um eine intelligente und sensible Dekonstruktion der Oper und des „Belcanto“, die in Zeiten der systematischen Entmenschlichung immer noch fröhlich Urstände feiern. Im Unterschied zur blossen Zerstörung, baut die Dekonstruktion neue Einsichten und neue Möglichkeiten – hier im Bereich des Schönen – auf. Donizettis Oper eignet sich hervorragend dazu, sind doch Schönheit und Wahnsinn, Brüche und Harmonie in ihr eng verwoben. Durch die Einführung von drei Schauspielern gelingt es dem Regisseur Christian Seiler, existenzielle Tiefenstrukturen der Welt der Bühne und der Maske aufzureissen. Zudem bricht die Demontage der Konzertsituation die eingespielte Mechanik von Sänger und Orchester mittels einer feinen Komik auf. Die Inszenierung orientiert sich an der Ästhetik des Stummfilms, die kraft ihrer Expressivität die Einbildungskraft des Zuschauers anregt und dadurch ein jeweils verwirrendes Zusammentreffen von Wahnsinn und Schönheit ermöglicht. Der daraus resultierende Strudel löst im Zuschauer eine heilsame Reflexion auf die Bedingungen von Schönheit in Zeiten der gnadenlosen Gewinnmaximierung und des Kampfes von jedem gegen jeden aus.

Marco Baschera – Romanist und Theaterwissenschaftler

„in Erinnerung an viele reale Szenen beeindruckt und berührt“

Als Psychiater, der seine erste Ausbildung noch vor der Einführung moderner Therapien machte, haben mich das Stück, die Inszenierung, die Spieler von ‚I pazzi per progetto’ stark beeindruckt und berührt, in Erinnerung an viele reale Szenen seinerzeit. Die starken musikalischen und szenischen Leistungen waren dem Rahmenthema Schönheit und Wahnsinn voll angemessen, nie drohte das Ganze ins bloss Komödiantische oder Voyeuristische abzugleiten. Mein ganz grosses Kompliment!

Ambros Uchtenhagen – Psychiater, Psychoanalytiker und Suchtspezialist, bis 1995 Professor für Sozialpsychiatrie und Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich

„Experience that brought new ways of approaching stage appearance“

It was an amazing project. Experience that brought new ways of approaching stage appearance, movement and developing character that I was presenting. It helped me to find new ways to engage the energy needed to any performer. The benefits were visible not only on stage but also in real life. I say it from the bottom of my heart that from all the programs I have done so far, this one was the most advantageous.

Rafal Pawnuk – Konzert- und Opernsänger, ‚Dr. Darlemont’ in ‚I pazzi per progetto’

„eine grossartige Inszenierung“

Die Produktion des Opernvereins Zürich von Gaetano Donizettis Oper I Pazzi per Progetto (Wahnsinn aus Absicht) im Juni 2018 war eine grossartige Inszenierung.
Die Darstellung der verschiedenen Charaktere mit ihren je eigenen Abartigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten war verblüffend echt und lebendig. Obwohl die Charaktere operngemäss deutlich herausgearbeitet waren, wirkten sie keineswegs überzeichnet: sie erzeugten keine Abneigung, sondern menschliche Sympathie und regten zum Nachdenken an. Der menschliche Tiefsinn in der Andersartigkeit von Irren und Kranken, deren Freiheit im Anderssein und deren schöpferische Unabhängigkeit jenseits von Normen und Regeln kamen auf erfrischende und berührende Art zum Ausdruck.
Die gesangliche und musikalische Leistung waren auf einem eindrücklichen Niveau. Dazu kamen die besondere Qualität der Dramaturgie und der ungewöhnliche Einsatz artistischer Körperelemente, welche pantomimischen Ausdruck, tänzerische Bewegungen und geradezu gymnastische Balanceakte einschlossen. Die Aufführung verblüffte durch die Ungewöhnlichkeit der Darstellungsmittel und durch die Dynamik und Frische der ganze Inszenierung.
Es wäre sehr zu wünschen, dass eine Produktion von solcher Qualität, bei der ein enormer schöpferischer Aufwand und ein einmaliges künstlerisches Können spürbar werden, nicht nur auf einige wenige Aufführungen in Zürich beschränkt bleibt, sondern auch an vielen anderen Orten und international zu sehen ist.

Dr. Paul Brutsche – Jungscher Psychotherapeut, früherer Präsident des C.G. Jung-Instituts, Lehranalytiker und Dozent des Internationalen Seminars für Analytische Psychologie ISAP

„Ein betroffen machender Schluss“

Ein interessanter Schluss wurde hier erfunden und inszeniert. Die in die Klinik Geflüchteten sind auch Flüchtende vor den vor der Türe herrschenden Kriegswirren. Und als dann am Schluss eine gewaltige Bomben-Detonation das Haus erschüttert und das Licht ausgehen lässt, ist klar, dass auch die „Pazzi per Progetto“, also die „mit Absicht Irren“, nun Gefangene dieses Hauses und ihrer selbst geworden sind. Es gibt kein Entrinnen mehr aus der Situation. Ein betroffen machender Schluss.

John H. Mueller – Der neue Merker

„eine wunderbare und wertvolle Erfahrung“

Mit „I Pazzi“ hat sich mir eine Tür in die Welt der Oper geöffnet wofür ich unendlich dankbar bin. Ich durfte Soprano mit der Fingerspitze ertasten, Bassbariton schmecken und den Tristan-Akkord anschlagen. Ich durfte mit Donizetti sein oder nicht sein.
Sich als Schauspieler in die Welt der Oper einzustimmen und diese Welt mitzugestalten und mitzutragen war eine wunderbare und wertvolle

Ivan Georgiev, Theater- und Filmschauspieler, ‚Donizetti’ in ‚I pazzi per progetto’

„eine spannende und lehrreiche Suche“

Die Zeit in Donizetti’s Irrenhaus mit meinen wunderbaren Kollegen und unter der wahnsinnig kreativen Leitung Christian Seilers sowie musikalischen Federführung Caspar Dechmanns möchte ich nicht missen. Es war eine spannende und lehrreiche Suche nach der eigenen Körperlichkeit und der steten schauspielerischen und sängerischen Erneuerung auf der Bühne.

Christoph Engel – Opern- und Konzertsänger, ‚Frank’ in ‚I pazzi per progetto’

„sich … dem Wahnsinn überlassen“

Oper? Instrumentaltheater? Bewegungstheater? Für die Produktion des Opernvereins Zürich zu den Zürcher Festspielen kann man nach der Gattungsbezeichnung suchen oder sich einfach dem Wahnsinn überlassen.

Herbert Büttiker – Roccosound